Michael Saylor widerspricht Liquiditätsängsten: „Kein
Strategy-Chef Saylor betont, dass Bitcoin-Verkäufe durch deutlich größere Zukäufe überkompensiert würden. Die Frage nach der Solvenz des Modells bleibt jedoch bestehen.
Veröffentlicht
12. Mai 2026

Michael Saylor will ein für alle Mal klarstellen: Strategy wird sein Bitcoin nicht abstoßen. Weder jetzt, noch in irgendeinem relevanten Szenario. Der Executive Chairman des Unternehmens, das früher MicroStrategy hieß, reagiert damit auf wachsende Spekulationen, die Firma könnte gezwungen sein, Teile ihrer gewaltigen Bitcoin-Reserven zu verkaufen, um finanzielle Verpflichtungen zu decken. Seine Antwort ist simpel: „Klar, vielleicht verkaufen wir mal eine Münze. Aber für jede, die abfließt, kaufen wir 10 bis 20 neue.“
Die Rechnung hinter der Botschaft
Strategy hält inzwischen 818.334 BTC, die zu einem Durchschnittspreis von rund 75.537 Dollar pro Coin erworben wurden. Der im ersten Quartal 2026 ausgewiesene Nettoverlust von 12,54 Milliarden Dollar ließ prompt Zweifel aufkommen: Kann das Unternehmen diesen Kurs durchhalten, ohne Bestände zu liquidieren? Allein die jährlichen Dividendenzahlungen belaufen sich auf etwa 1,5 Milliarden Dollar.
Saylors Antwort darauf ist, dass Strategy seine laufenden Kosten und Bitcoin-Käufe durch eine Mischung aus Aktienemissionen und Fremdkapitalaufnahme finanziert. Der entscheidende Begriff in seinem Argumentationsrahmen ist „Nettoverkäufer“. Er schließt Verkäufe nicht grundsätzlich aus, betont aber, dass jeder Abgang strategisch durch deutlich größere Zukäufe überkompensiert würde. Für jeden verkauften Bitcoin solle das Unternehmen zehn bis zwanzig neue erwerben.
Abgrenzung vom Ponzi-Vorwurf
Der Gold-Enthusiast und Krypto-Skeptiker Peter Schiff bleibt lautstark bei seiner Einschätzung, dass es sich bei Strategy um eine Ponzi-ähnliche Struktur handele. Die Argumentation: Das Unternehmen emittiert Aktien und Schulden, um Bitcoin zu kaufen. Der steigende Bitcoin-Kurs macht die Aktien wertvoller, was weitere Emissionen ermöglicht, die wiederum neue Bitcoin-Käufe finanzieren. Saylor weist diese Vorwürfe direkt zurück. Seiner Ansicht nach ist Bitcoin lediglich das primäre Treasury-Asset des Unternehmens, und die genutzten Finanzierungsinstrumente seien Standardinstrumente der Unternehmensfinanzierung – nur angewandt auf eine unkonventionelle Anlageklasse.
Der Verlust sei kein operativer, sondern ein buchhalterischer: Nach geltenden Rechnungslegungsvorschriften müssen die Bitcoin-Bestände zum Marktwert bilanziert werden, was bei fallenden Kursen zu hohen Abschreibungen führt. Manche Analysten beschreiben den Ansatz dennoch als „Endlosschleife“: Sollte Bitcoin um rund 30 Prozent zulegen, könnte das Unternehmen bequem kleine Teile seiner Reserve verkaufen, um Verbindlichkeiten zu bedienen, und dennoch seine Gesamtposition ausbauen.
Die entscheidende Kennzahl für Anleger
Für Aktionäre oder Interessenten von Strategy sind Saylors Aussagen der Versuch, die eine, alles entscheidende Frage zu beantworten: Gibt es ein Szenario, in dem die Firma zum erzwungenen Verkäufer von Bitcoin wird?
„Jede regulatorische Klarheit im Krypto-Raum strahlt auf den gesamten Markt aus.“
Auch wenn der jüngst angekündigte Clarity Act von Senator Bernie Moreno vor allem auf Stablecoins abzielt: Die Diskussion um die Solvenz des größten institutionellen Bitcoin-Halters wird davon nicht berührt. Letztlich ist die Spanne zwischen Strategy’s Einstandskurs von 75.537 Dollar pro Coin und dem aktuellen Bitcoin-Marktpreis die entscheidende Größe. Denn von diesem Spread hängt ab, ob das gesamte Modell tragfähig bleibt. Für Anleger hierzulande bleibt die steuerliche Einordnung dieser Entwicklung relevant: Solange Strategy seine Bestände nicht netto reduziert, löst das in der Regel keine steuerlichen Ereignisse nach § 22 EStG aus – anders als Direktverkäufe privater Anleger.