Strategy pausiert Bitcoin-Käufe vor Quartalszahlen
Michael Saylors Firma legt eine Kaufpause ein, während Analysten mit Verlusten rechnen. Der Markt blickt gespannt auf den Q1-Bericht und die Finanzierungsstrategie.
Veröffentlicht
5. Mai 2026

Michael Saylor hat eine ungewohnte Ansage gemacht: „Diese Woche keine Käufe“, schrieb der Chairman von Strategy (ehemals MicroStrategy) auf X. Die Gesellschaft, die sich zum größten börsennotierten Bitcoin-Treasury-Unternehmen entwickelt hat, legt eine Pause ein – und das erst zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die letzte Auszeit gab es Ende März.
Der Schritt kommt nicht von ungefähr. Am Dienstag legt Strategy seinen Q1-Bericht vor. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Verlust von 27,33 Dollar pro Aktie, wie Yahoo Finance-Daten zeigen. Zacks Research taxiert den Fehlbetrag optimistischer auf 3,41 Dollar. Die Einnahmen aus dem Softwaregeschäft dürften bei rund 125 Millionen Dollar liegen – ein leichtes Plus von knapp 13 Prozent zum Vorjahr.
Vom Softwarehaus zur Bitcoin-Maschine
Doch die traditionelle Kennzahlenbetrachtung greift bei Strategy längst zu kurz. Das Unternehmen wird an der Börse nicht mehr als Softwareanbieter mit Bitcoin-Bestand bewertet, sondern als Bitcoin-Finanzierungsvehikel, das nebenbei Business-Intelligence-Software verkauft. Für Anleger zählt weniger der operative Gewinn, sondern die Frage, ob Saylor seinen Kapitalbeschaffungsapparat weiter am Laufen halten kann.
Dieser Apparat ruht auf einem Kreislauf: Höhere Bitcoin-Kurse verbessern Strategies Bewertung, was die Kapitalaufnahme erleichtert, die wiederum neue Bitcoin-Käufe ermöglicht. Der jüngste Kauf umfasste 3.273 BTC zu einem Durchschnittspreis von rund 77.900 Dollar pro Coin. Der Gesamtbestand liegt bei 818.334 BTC – das sind fast 3,9 Prozent der maximalen 21 Millionen Einheiten.
STRC: Rendite oder Risiko?
Ein Produkt, das zunehmend Aufmerksamkeit erhält, ist STRC, eine ewige Vorzugsaktie, die nahe 100 Dollar notieren soll und eine variable monatliche Dividende von aktuell etwa 11,5 Prozent p.a. zahlt. Das Versprechen: eine renditestarke Anlage, besichert durch Strategies Bitcoin-Bilanz. Doch Kritiker warnen, dass das Produkt bei Marktgegenwind schnell von stabilem Einkommen zu Kreditrisiko mutieren könnte.
Am Montag teilte Strategy zudem per 8-K-Einreichung mit, dass das Unternehmen 82 Millionen Dollar durch Aktienverkäufe eingenommen habe – ohne entsprechende Bitcoin-Käufe zu melden. Saylor kündigte an, dass die Käufe in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden.
Für Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die steuerliche Einordnung relevant: Solange Strategy als Firma mit Sitz in den USA keine Dividenden im klassischen Sinne ausschüttet, gelten Gewinne aus Bitcoin-Beständen hierzulande als Kapitaleinkünfte – die Haltefrist von einem Jahr für Kryptowerte nach § 23 EStG ist auf Firmenbeteiligungen aber nicht direkt anwendbar.