Klage fordert von Swan Bitcoin fast 1 Mrd. Dollar zurück
Eine Trust-Gesellschaft wirft dem Bitcoin-Dienstleister vor, mit Insiderwissen die Pleite von Prime Trust ausgenutzt zu haben – und verlangt rund 12.000 BTC sowie weitere Kryptowerte.
Veröffentlicht
19. Mai 2026

Der Zusammenbruch von Prime Trust im Sommer 2023 wirft fast zwei Jahre später einen neuen, milliardenschweren Rechtsstreit auf. Der PCT Litigation Trust, der die Vermögenswerte der insolventen Krypto-Verwahrstelle verwaltet, hat den Bitcoin-Dienstleister Swan Bitcoin vor dem US-Insolvenzgericht in Delaware verklagt. Die Forderung: knapp 12.000 Bitcoin – aktuell rund 917 Millionen Euro wert – sowie stabile Coins, XRP und US-Dollar. Insgesamt geht es um fast eine Milliarde Dollar, die Swan kurz vor dem Kollaps von Prime Trust abgezogen haben soll.
Der Vorwurf: Insiderwissen als Wettbewerbsvorteil
Die Klageschrift, die Blockspace zuerst veröffentlichte, zeichnet ein explosives Bild. Swan habe „beispiellosen Zugang zu nicht-öffentlichen Informationen“ gehabt und so die katastrophalen Verluste vermieden, die die meisten anderen Prime-Kunden trafen. Ein leitender Angestellter von Prime Trust habe gleichzeitig als bezahlter externer Berater für Swan gearbeitet. Über verschlüsselte Kanäle soll dieser Manager Swan-CEO Cory Klippstein vor wichtigen Terminen mit der Aufsichtsbehörde in Nevada gewarnt haben.
„Swan – anders als die meisten Prime-Kunden – erlitt keine nennenswerten Verluste, weil Swan Insider-Informationen hatte. Swan wusste, dass es Fiat und Krypto unmittelbar vor der Insolvenz abziehen musste, um katastrophale Verluste zu vermeiden.“
Die entscheidende Woche im Mai 2023
Der zeitliche Ablauf ist auffällig: Am 25. Mai 2023 – einen Tag vor einem geplanten Treffen von Prime Trust mit der Nevada Financial Institutions Division (FID) – teilte Swan Prime mit, dass das gesamte Geschäft abgezogen werde. Am 26. Mai erfolgte die Überweisung von 11.992 BTC, 91.444 XRP sowie Millionen in USD und Stablecoins. Prime Trust wurde am 2. Juni von den Regulatoren geschlossen und meldete im August 2023 Chapter-11-Insolvenz an. Das Unternehmen schuldete Kunden damals rund 82 Millionen Dollar.
Normalerweise können solche Transfers innerhalb eines 90-Tage-Fensters vor einer Insolvenz als „preference payments“ zurückgefordert werden. Die Klage wirft Swan jedoch vor, genau das umgangen zu haben: Swan habe gewusst, dass der rechtzeitige Abzug eine Rückforderung auslösen würde, und deshalb versucht, Haftungsrisiken zu verschleiern.
Die Verteidigung: Verwahrte Kundengelder sind tabu
Swan Bitcoin weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher erklärte, Prime Trust habe Kundeneigentum in individuellen Treuhandkonten gehalten. „Das Insolvenzvermögen versucht nun, Vermögenswerte von einer Partei zu nehmen, die sie nie erhalten hat. Kundengelder einer Treuhandgesellschaft stehen nicht den allgemeinen ungesicherten Gläubigern zur Verfügung.“ Man erwarte, dass die Gerichte dies bestätigen.
Sollte die Klage Erfolg haben, wäre dies einer der größten Rückforderungen in der Krypto-Insolvenzgeschichte. Für deutsche Anleger bleibt der Fall vor allem als Lehrstück relevant: Wer bei einem Custodian verwahrt, sollte dessen Solvenz genau im Blick haben – denn selbst bei Treuhandstrukturen können Insolvenzverwalter versuchen, Gelder einzuziehen. Die steuerliche Einordnung solcher Verluste (§ 22 EStG) wäre dann der nächste Komplex.