US-Senat stimmt nächste Woche über Krypto-Regulierung ab
Der CLARITY Act könnte die jahrelange Hängepartie um die Einordnung von Kryptowährungen beenden – und den Streit zwischen Banken und Krypto-Firmen um Stablecoin-Renditen entgiften.
Veröffentlicht
11. Mai 2026

Nächste Woche könnte eine der meistdiskutierten Regulierungsvorlagen für Kryptowährungen in den USA einen Schritt vorankommen. Der CLARITY Act, der einen rechtlichen Rahmen für digitale Vermögenswerte schaffen soll, steht am 14. Mai im Senatsausschuss für Banken, Wohnungswesen und Städtefragen zur Abstimmung. Das teilte Ausschussvorsitzender Tim Scott mit.
Was der CLARITY Act regeln will
Der Gesetzesentwurf zielt darauf ab, eine jahrelange Uneinigkeit zwischen Krypto-Unternehmen und der traditionellen Finanzindustrie zu beenden. Im Kern geht es um fünf Punkte:
- Welche Kryptowerte gelten als Wertpapiere, welche als Rohstoffe?
- Welche Behörde ist für die Aufsicht zuständig?
- Nach welchen Regeln müssen Börsen, Broker und Händler arbeiten?
- Welche Verbraucherschutzstandards sind verbindlich?
Die Industrie betont seit Langem, dass ohne solche Klarheit Innovation und Investitionen in den USA abwandern. Eine Verabschiedung des Gesetzes würde die Adoption digitaler Assets deutlich erleichtern.
Der Streit um Stablecoin-Renditen
Ein besonders umkämpfter Punkt ist die Frage, ob Krypto-Unternehmen Zinsen oder Belohnungen auf Stablecoins zahlen dürfen – also auf digitale Dollar-Token. Ein Kompromiss zwischen dem republikanischen Senator Thom Tillis und der Demokratin Angela Alsobrooks sieht vor, dass reine Halteprämien verboten bleiben, weil sie zu sehr an Bankeinlagen erinnern. Erlaubt wären dagegen Belohnungen für Transaktionen wie Zahlungen oder Überweisungen.
„Unser Kompromiss erlaubt Krypto-Unternehmen auch andere Formen von Kundenbelohnungen“, erklärten Alsobrooks und Tillis in einer gemeinsamen Stellungnahme. „Am wichtigsten ist, dass er uns auf einen überparteilichen Weg bringt, den CLARITY Act zu verabschieden und die nötige regulatorische Sicherheit zu schaffen.“
Die Bankenlobby lehnt jede Form von Stablecoin-Vergütung ab. Sie befürchtet, dass Kunden massiv Gelder aus traditionellen Konten abziehen. Coinbase-Justiziar Paul Grewal bezeichnete den Vorstoß der Banken als „Wettbewerbsverhinderung“. Auf X schrieb er: „Erst waren es Zinsen, die Bankeinlagen gleichen. Jetzt sind es transaktionsbasierte Belohnungen, Treueanreize und andere blockchain-basierte Vorteile. Genug ist genug.“
Ausblick
Sollte der CLARITY Act den Ausschuss passieren, steht noch die Abstimmung im gesamten Senat aus. Der Ausgang ist ungewiss – die Fronten zwischen Krypto-Befürwortern und der Bankenindustrie sind verhärtet. Für Anleger in Deutschland bleibt die Entwicklung dennoch relevant: Sollte das Gesetz in den USA durchkommen, könnte es als Blaupause für die weitere Ausgestaltung der EU-weiten MiCA-Verordnung dienen – insbesondere bei der Frage, ob und wie Stablecoin-Renditen erlaubt sind.