Bitcoin-Abverkauf: 1,44 Milliarden Dollar Abflüsse in einer Woche
US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen Rekordabflüsse, geopolitische Spannungen und steigende Ölpreise setzen den Kurs unter Druck. Die Marke von 60.000 Dollar rückt wieder in den Fokus.
Veröffentlicht
5. Juni 2026

Die jüngste Verkaufswelle bei Bitcoin hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. US-börsennotierte Fonds, die direkt in die Kryptowährung investieren, verzeichneten am Mittwoch einen einzigen Abflusstag von 519 Millionen Dollar – ein klares Signal, dass institutionelle Anleger die Risiken meiden. Der Kurs fiel daraufhin um 4,5 Prozent auf ein Tagestief von 65.700 Dollar, erholte sich später leicht auf rund 67.100 Dollar.
Der Abverkauf der vergangenen Woche summiert sich auf 1,44 Milliarden Dollar, der stärkste Wochenabfluss des Jahres 2026. Die Abflussserie läuft mittlerweile zwölf Tage in Folge. Das ist kein kurzer Schock, sondern ein struktureller Trend, der den Markt nachhaltig belastet.
Geopolitische Unsicherheit als Katalysator
Auslöser der aktuellen Bewegung sind erneut geopolitische Spannungen. Nach US-Angriffen auf iranische Ziele und Berichten über Raketenangriffe auf das Hauptquartier der US-5. Flotte in Bahrain wuchs die Nervosität. Der Konflikt hatte bereits zuvor den Ölpreis nach oben getrieben – Brent-Rohöl kletterte Mitte April auf über 106 Dollar pro Barrel. Steigende Energiepreise schüren Inflationsängste und verringern die Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung durch die US-Notenbank, was riskante Anlagen wie Kryptowährungen besonders trifft.
Diplomatische Verwirrung trägt zur Unsicherheit bei. Iran setzte Waffenstillstandsgespräche mit den USA nach israelischen Angriffen im Libanon aus. US-Präsident Donald Trump erklärte hingegen, die Gespräche liefen weiter – eine widersprüchliche Nachrichtenlage, die Anlegern keine klare Orientierung bietet.
Technische Signale deuten auf weiteres Risiko
Bitcoin befindet sich nun rund 47 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.000 Dollar vom Oktober 2025. Jede neue Eskalation des Konflikts löste bisher eine weitere Verkaufswelle aus. Besonders schmerzhaft sind die Liquidationen gehebelter Positionen: In einem einzigen verlustreichen Wochenende wurden fast eine Milliarde Dollar an Krypto-Wetten vernichtet, 93 Prozent davon Long-Positionen.
Technische Analysten beobachten eine Rounding-Top-Formation, ein klassisches Umkehrsignal. Wichtige Unterstützungen bei 72.000 und 68.000 Dollar sind bereits gefallen. Ein Tagesschlusskurs unter 65.000 Dollar würde den Weg zur nächsten psychologisch bedeutsamen Marke von 60.000 Dollar freimachen. Diese Zone nennen Händler derzeit am häufigsten als potenziellen nächsten Halt.
Bedeutung für Anleger hierzulande
Für deutsche Anleger bleibt die Entwicklung doppelt relevant. Einerseits können Kursverluste steuerliche Fragen aufwerfen: Wer Bitcoin innerhalb der Ein-Jahres-Haltefrist verkauft, muss Gewinne voll versteuern – bei einem Abverkauf in diesem Umfang sollten Haltefristen und Freigrenzen genau kalkuliert werden. Andererseits zeigt die Abhängigkeit des Kryptomarkts von geopolitischen Großereignissen, wie eng die Assetklasse mittlerweile mit den globalen Finanzmärkten verwoben ist. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die 60.000-Dollar-Marke als neues Fundament hält oder nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach unten ist.