CIA-Experte warnt: Uruguay bei Krypto-Ermittlungen zweigeteilt
Ex-CIA-Analyst Yaya Fanusie sieht in Uruguay eine große Lücke zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft – und kritisiert, dass nicht einmal alle Regulierungsbehörden eine eigene Krypto-Wallet besitzen.
Veröffentlicht
8. Juni 2026

Kein einziger Teilnehmer einer Anti-Geldwäsche-Behörde besaß Kryptowährungen – das war die ernüchternde Erfahrung von Yaya J. Fanusie während seiner jüngsten Reise nach Uruguay. Der ehemalige Wirtschafts- und Terrorbekämpfungsanalyst der CIA ist heute Senior Advisor für öffentliche Politik und Geldwäscheprävention beim Crypto Council for Innovation und leitet dort die Arbeitsgruppe zu illegaler Finanzierung.
Behörden im Vergleich: Polizei auf US-Niveau, Justiz abgehängt
Fanusie, der auf Einladung der US-Botschaft nach Uruguay gekommen war, traf sich mit einer Reihe von Institutionen – vom Parlament über die Zentralbank bis hin zum Innenministerium. Sein Befund fällt differenziert aus: Das Innenministerium sei bei der Verfolgung von Krypto-Delikten so fortgeschritten wie vergleichbare US-Behörden.
„Alles, was sie über das modus operandi der Kriminellen und über die notwendigen Schritte zu deren Ergreifung erklärten, war, als ob ich in den USA einen Bericht erhalten würde.“
Doch dieses Know-how sei in der Breite nicht vorhanden. Während das Innenministerium über spezialisierte Blockchain-Analyse-Software verfüge, hätten andere Stellen – insbesondere die Staatsanwaltschaft – weder die Werkzeuge noch die praktische Erfahrung. „Eine große Kluft“, so Fanusie.
„Sie müssen die Technologie selbst ausprobieren“
Besonders aufschlussreich war eine Übung mit der nationalen Sekretariatsbehörde Senaclaft. Fanusie ließ die Teilnehmer auf ihren Handys Krypto-Wallets installieren und kleine Beträge hin- und herschicken. „Vorher fragte ich ins Publikum, wer Krypto besitzt – niemand, niemand, niemand. Aber wenn man nicht ein bisschen mit der Technologie spielt, wird man sie nie verstehen“, sagte der Experte.
Lokale Börsen als Schutzschild gegen internationale Kriminalität
Ein zentrales Thema war die Frage, wie ein kleineres Land wie Uruguay mit den Risiken globaler Krypto-Netzwerke umgehen kann. Fanusie stellte fest, dass viele der untersuchten Fälle mit Binance, der weltgrößten Krypto-Börse, zu tun haben. Sein Rat: Lokale oder regionale Börsen fördern.
„Wenn eine lokale Börse in Uruguay sitzt, kann die Polizei mit einem lokalen Rechtsbefehl kommen und alle Daten einfordern. Bei einer Börse auf den Seychellen ist das viel schwieriger – selbst wenn Binance Kooperation verspricht.“ Lokale Börsen ließen sich zudem besser nach uruguayischem Recht regulieren und überwachen.
DACH-Perspektive: Die Lehren aus Uruguay
Für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Fall Uruguay lehrreich: Auch hierzulande variiert die Ermittlungskompetenz zwischen Bundes- und Landesbehörden mit Blick auf Krypto-Delikte. Die BaFin setzt bei der Regulierung von Krypto-Verwahrgeschäften und Geldwäscheprävention ebenfalls auf zunehmend lokale, lizenzierte Dienstleister. Die steuerliche Einordnung von Gewinnen aus Krypto-Transaktionen bleibt für Anleger im DACH-Raum ein zentrales Thema – und die Sorge vor unzureichender Durchsetzung bei internationalen Delikten ist keinesfalls auf Uruguay beschränkt.